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Auszug aus der Eroeffnungsrede der Ausstellung im Gehagforum

im Sommer 2001

Das ist eine Ausstellung so recht nach meinem Geschmack, wo die Daseinsbejahung geradezu einer Geographie der Lust entspricht.

Marina Schreiber ueberrascht mit einer Zauberlandschaft, die die Relativitaet der Oberflaeche veranschaulicht. Was sich da baucht und stapelt, was da Knospen spriessen laesst und merkwuerdig polypenartige Ausbuchtungen, ist eine leitmotivische Entfaltung des Phantastischen in eine durchaus tastbaren Form.
Es koennten Korallen sein, Tropaeen einer Unterwasserjagd oder auch hoelzerne Fruechte, Fruchtkoerper - immerfort rundet sich eine amorphe und vegetabilische Wirklichkeit, die die Kuenstlerin als „biomorphe Abstraktionen“ beschreibt.

Das heisst, diese bunt verholzten Figuren koennten die ersten Exemplare einer im Labor entwickelten Spezies sein (schoen und gefaehrlich) . Aber mir gefallen sie besser, wenn ich in ihnen die aus der Art schlagenden Erdschwestern jener Wasserlebewesen sehe, die zur Freude jedes Tauchsportlers in den Tiefen der Meere leben.

Marina Schreiber schnorchelt zuweilen selbst auch uns ist dazu noch eine begeisterte Aquarienbesucherin, insofern darf wohl von der Annahme ausgegangen werden, dass die auch mit der Hand zu fuehlende erdverbundene Form ihrer Skulpturen sich in der Verwandschaft mit der vorraussetzungslosen Schoenheit der ozeanischen Geheimgewaechse befindet.

Wenn die Kuenstlerin an ihren Skulpturen arbeitet, dann vermeidet sie augenscheinlich jedes unnoetige Schwimmen. Sie spart Kraefte und jede hoelzerne Wendung ihrer Figuren ist folgerichtig.

Marina Schreiber interessiert insbesondere, was das Material kann, mit dem sie arbeitet.
Es ist Holz in unterschiedlicher Konsistenz, auch Bauverbundstoffe, MDF- und Spanplatte, Materialien, die verbubdeb, gestapelt, hochpoliert, geschliffen sanft geglaettet und oft solange geschellackt werden, das sie wie Steine glaenzen...

 

 

Christoph Tannert, Kuenstlerhaus Bethanien in Berlin- Kreuzberg